Vorsorge trotz Preissteigerungen und Gas-Krise: Jetzt handeln!

Vorsorgebedarf überprüfen

Je höher die Inflation, umso höher auch die nötige Zukunfts­vorsorge. Konjunkturelle Unsicherheiten, steigende Preise und Kursverluste an den Aktienmärkten erfordern von Sparern zudem, ihren Anlagemix zu prüfen. Auch auf das Zinsumfeld wirkt sich die rasant gestiegene Inflationsrate aus: Die EZB hat im Juli dieses Jahres begonnen, die Zinsen zu erhöhen. Dadurch werden Bankeinlagen wieder attraktiver. Besonders hohe Zinsen sind zwar nicht zu erwarten, doch die Zeit der Negativzinsen dürfte bald vorbei sein. Am Aktienmarkt sind die Kurse seit Beginn des Jahres deutlich gefallen. Ursache ist der Ukraine-Krieg mit extrem hohen Energiepreisen, gestörten Lieferketten der Unternehmen sowie Produktionsausfällen aufgrund im Winter drohender Gas-Rationierungen.

Niedrige Aktienkurse können Einstieg erleichtern

Die gesunkenen Aktienkurse sind nicht unbedingt ein Mutmacher. Doch sie können ein Signal zum Einstieg in den Aktienmarkt sein, wenn sich die wirtschaftliche Lage bald wieder bessert. Aktien sind nicht nur für erfahrene Anleger mit entsprechendem Vermögen eine interessante Option, sondern auch für Einsteiger. Über einen Sparplan kann bereits mit monatlich überschaubaren Beträgen im Lauf der Zeit ein wichtiger Vorsorgebeitrag anwachsen. Generell bieten Investmentfonds und Aktien bei längerer Anlagedauer attraktive Renditen – bei vertretbaren Risiken. Bei allen Themen rund um die Geldanlage steht Ihnen Ihre Volksbank oder Raiffeisenbank gern mit qualifizierter Beratung zur Seite. Vereinbaren Sie einen Termin – am besten schon heute!

1 - Hohe Inflation Was bedeutet das für Privathaushalte?

Die aktuell hohe Inflation treibt vielen Bürgerinnen und Bür­gern Sorgenfalten auf die Stirn. Für den Juli 2022 ermittelte das Statistische Bundesamt in Deutschland eine Inflationsrate von 7,5 Prozent. Im Mai dieses Jahres lag sie mit 7,9 Prozent sogar noch etwas höher. Eine so hohe Inflation gab es zuletzt 1974 während der Ölkrise. Bereits im vergangenen Jahr stiegen die Preise für Öl und Gas erheblich, nachdem sie sich im Frühjahr 2020, am Anfang der Corona-Pandemie, noch auf Tiefständen befunden hatten. Den größten Schub erhielten die Energiepreise jedoch dieses Jahr, nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs.

Zu den schon spürbaren Belastungen für Privathaushalte kommt die Gefahr weiterer Preiserhöhungen – vor allem, falls es zu einem Gas-Lieferstopp aus Russland kommen sollte. Laut Schätzungen könnten sich dadurch die ohnehin schon hohen Gas-Preise für Verbraucherinnen und Verbraucher verdrei­fachen. Weniger stark dürfte sich das Ausbleiben von russischem Gas auf die Preise anderer Energieträger wie Benzin oder Strom auswirken.

Inflation macht ärmer

Doch was ist überhaupt Inflation und was bedeutet der Inflationsanstieg für Privathaushalte? Inflation bezeichnet den Anstieg der Verbraucherpreise. Grundlage ist ein „Warenkorb“, der 650 Waren und Dienstleistungen enthält, die dem Kaufverhalten privater Haushalte in Deutschland entsprechen. Das Statistische Bundesamt misst monatlich die durchschnittliche Preisentwicklung, das Ergebnis ist der Verbraucherpreisindex. Sein prozentualer Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat wird als Inflation oder Inflationsrate bezeichnet.

Bedingt durch die Inflation können Haushalte von ihrem gegebenen Einkommen immer weniger Güter und Dienstleistungen kaufen. Das könnte ausgeglichen werden, wenn die Einkommen genauso stark steigen würden wie die Verbraucherpreise – was in der Realität allerdings kaum der Fall ist. Immerhin erhöhten sich die Renten im Juli in Westdeutschland um 5,4 Prozent und in Ostdeutschland um 6,1 Prozent. Diese zwar kräftige Steigerung gleicht jedoch nicht den Anstieg der Verbraucherpreise aus.

Höhere Einkommen können Inflation nicht ausgleichen

Inwieweit Löhne und Gehälter die gestiegenen Preise abfangen, hängt für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Tarifverhandlungen ab. Der komplette Ausgleich von Preissteigerungen über mehr Einkommen ist oft nicht möglich. Denn auch Arbeitgeber müssen gestiegene Kosten verkraften, ohne Arbeitsplätze zu gefährden. Bei den effektiven Tarifverdiensten rechnet die Bundesbank in diesem Jahr mit einem Anstieg von rund vier Prozent, das gleicht die momentane Inflationsrate nicht aus.

Die sogenannte Inflationsspirale ähnelt einem Teufelskreis: Steigen die Löhne so stark wie die Inflationsrate, erhöhen die Unternehmen ähnlich stark ihre Preise und die Inflation steigt weiter. In der Folge muss die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen stark erhöhen, um den Preisauftrieb zum Stillstand zu bringen. Kommt es nicht zu einer Inflationsspirale, muss die EZB die Zinsen weniger stark erhöhen, was sich nicht nur auf die Finanzierung von Unternehmen positiv auswirkt, sondern beispielsweise auch auf Immobilien-Kredite.

Der negative Effekt der Inflation verstärkt sich über die Jahre. Bei einer Inflation von sieben Prozent halbiert sich die Kaufkraft nach zehn Jahren. Was heute noch für 100 Euro gekauft werden könnte, würde dann zehn Jahre später bereits 200 Euro kosten.

2 - Gestiegene Kosten Wo können wir im Alltag sparen?

Verbraucherinnen und Verbraucher spüren die Inflation schon seit vielen Monaten im Geldbeutel. Mit der sich abzeichnenden Gas-Krise könnte die Belastung im kommenden Jahr weiter steigen. Wo macht sich die Inflation besonders bemerkbar und wie kann man sich schützen?

Wohin das Geld fließt, ist von Haushalt zu Haushalt verschieden. Eine erste Orientierung geben Zahlen für den Bevölkerungsdurchschnitt. Demnach wird ein Drittel (33 Prozent) der Verbrauchsausgaben für Wohnen verwendet. Dazu zählen Miete oder der Unterhalt der Wohnung sowie Strom, Wasser und Gas. 13 Prozent des Geldes fließen in Verkehrsdienstleistungen, Kraftstoffe und den Unterhalt von Fahrzeugen.

Bei den Ausgaben für Wohnen und Verkehr sind die gestiegenen Energiepreise für Haushalte unübersehbar: Die Kosten für Heizung, Warmwasser, Strom sowie die Benzinpreise haben sich bereits erhöht. Zeitverzögert können auch Ticketpreise für Flüge, Bahnfahrten und den öffentlichen Nahverkehr steigen. Demgegenüber blieben die Nettomieten als relevanter Ausgabeposten bislang stabil.

Energie sparen lohnt sich

Wer nach Möglichkeiten sucht, Geld zu sparen, kann bei den Energiepreisen als höchstem Inflationstreiber ansetzen und seinen individuellen Energieverbrauch – soweit vertretbar – reduzieren. Der Anteil der Energie an den gesamten Verbrauchs­ausgaben lag im Jahr 2015, vor der aktuellen Preisexplosion, bei zehn Prozent. Davon entfielen etwa zwei Drittel auf den Energieverbrauch beim Wohnen und ein Drittel auf den Verkehr. Heute dürfte dieser Anteil deutlich höher liegen. Den Heizungsregler herunterzudrehen und auf weniger wichtige Fahrten zu verzichten kann also zu erheblichen Einsparungen führen. Auch „Sparen beim Fahren“ lohnt sich: Nach Angaben der Verbraucherzentralen senkt ein gleichmäßiges Fahren mit 110 km/h auf der Autobahn gegenüber 140 km/h den Benzinverbrauch um ein bis zwei Liter pro 100 Kilometer. Wer Klimaanlage, Sitz- oder Heckscheibenheizung nicht oder weniger nutzt, kann noch mehr sparen.

Preise vergleichen und Haushaltsbuch führen

Neben der Energiepreisexplosion hat die Inflation noch weitere Treiber: Auch die Nahrungsmittelpreise sind stark gestiegen. So waren zur Jahresmitte Fleisch und Fleischwaren um 19 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, Speiseöle und -fette verteuerten sich um 43 Prozent, Molkereiprodukte und Eier legten um 15 Prozent zu.

Gesundes, selbst gekochtes Essen muss nicht teuer sein: Eine Reduzierung des Fleisch- und Wurstkonsums sowie der Kauf vorwiegend saisonaler Produkte – die meist günstiger sind als importierte Waren – machen sich im Portemonnaie positiv bemerkbar. Wer Leitungswasser statt Mineralwasser trinkt, spart übers Jahr gerechnet nicht nur Geld, sondern muss auch weniger schleppen. Das Leitungswasser in Deutschland hat eine sehr gute Qualität und kostet weniger als einen Cent pro Liter.

Preisvergleiche lohnen sich nicht nur beim Wocheneinkauf, sondern auch bei Mobilfunktarifen. Relativ teuer sind zum Beispiel Verträge, bei denen alle zwei Jahre ein neues Gerät ausgewählt werden kann. Ein Wechsel zu einem günstigeren Anbieter ist seit Dezember 2021 deutlich einfacher geworden: Nach einer Mindestlaufzeit, die meist bei 24 Monaten liegt, können Verträge monatlich gekündigt werden.

Um den Überblick über die eigenen Ausgaben zu behalten und Sparpotenziale besser zu erkennen, lohnt es sich, ein Haushaltsbuch zu führen. Bereits wenige Monate Dokumentation zeigen sehr schnell, wohin das Geld fließt. Nicht nur überschaubare Beträge wie für den „Kaffee to go“ summieren sich am Ende eines Monats zu größeren Posten. Auch regelmäßige Abbuchungen größerer Summen, wie etwa die monatlichen Beträge für Strom und Gas, können Sparimpulse liefern.

3 - Sinnvolle Geldanlage Wie ist Vorsorge noch möglich?

Die Deutschen sind ein Volk der Sparer. Vermögensaufbau durch regelmäßiges Sparen ist zentral für die Altersvorsorge. Der gesetzlichen Rentenversicherung fällt es aufgrund einer alternden Gesellschaft immer schwerer, die Renten breit und ausreichend zu sichern. Daher ist es wichtig, privat für die Zukunft vorzusorgen – etwa mit Wohneigentum und Finanzanlagen.

Schon vor der Inflationswelle hatten viele Haushalte Schwierigkeiten, für die Zukunft vorzusorgen. Im Jahr 2019 lag der Anteil der Nicht-Sparer bei den Niedrigverdienern mit einem monat­lichen Nettoeinkommen bis 1.000 Euro bei 44 Prozent. Von den Haushalten mit einem Monats-Nettoeinkommen zwischen 1.000 und 3.000 Euro gaben noch 21 Prozent an, nicht zu sparen. In Zeiten einer hohen Inflation fällt es nun besonders schwer, Geld auf die hohe Kante zu legen.

Qualifizierte Beratung – je früher, desto besser

Wenn Verzicht und weniger Verbrauch die inflationsbedingt steigenden Ausgaben nicht ausgleichen, können einige noch auf Geld­reserven zurückgreifen. Doch dieses Geld fehlt dann zukünftig als Vorsorgepuffer. Gibt es keine Rücklagen, können kurzfristige Engpässe mit Ratenkrediten ausgeglichen werden – was allerdings nur in Betracht gezogen werden sollte, wenn sich die allgemeine Finanzsituation in absehbarer Zeit verbessert. Frühzeitig Kontakt mit Ihrer Volksbank oder Raiffeisenbank aufzunehmen, ist in jedem Fall sinnvoll, um sich qualifiziert beraten zu lassen.

Wer über Finanzanlagen verfügt, muss sich ebenfalls über die Inflation Gedanken machen. So wie der Zinssatz den Wert des Ersparten erhöht, verringert die Inflation den Gegenwert des Geldes an Waren und Dienstleistungen. Die Inflation wirkt auf angespartes Vermögen wie ein negativer Zins. Selbst wenn sich die Inflationsrate in den kommenden Jahren wieder normalisiert, bleiben die Preisanstiege der Verbrauchsgüter vermutlich bestehen. Die aktuelle Inflationswelle dürfte daher den Bedarf an Zukunftsvorsorge noch einmal deutlich erhöhen.

Inflation und Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) in Prozent