Zukunftsvorsorge bei niedrigen Zinsen

Kein Ende von Mini- und Minuszinsen in Sicht

Die Zinsen sind seit Jahren so niedrig wie noch nie. Lange Zeit sah es so aus, als stünde eine Zinswende vor der Tür. Doch hat die Europäische Zentralbank (EZB) deutlich gemacht, dass die Zinsen voraussichtlich noch sehr lang extrem niedrig bleiben werden. Sie hat sogar den für Banken wichtigen Einlagenzins noch tiefer ins Minus abgesenkt. Die von der EZB festgelegten Zinsen haben einen prägenden Einfluss auf andere Zinsen, so auch auf die Zinsen im Kundengeschäft der Banken. Daher könnten insbesondere bei großen liquide angelegten Geldbeträgen neben den Minizinsen auch Minuszinsen mehr und mehr alltäglich werden.

Sparer brauchen eine gute Vorsorgestrategie

Viele Sparer sind angesichts der aktuellen Zinssituation verständlicherweise frustriert und wollen weniger Geld für die Zukunft zurücklegen. Doch das wäre nicht ratsam. Der Vorsorgebedarf wird oft unterschätzt: Wer zu spät mit der Vorsorge beginnt oder sie unterbricht, schafft es vielleicht nicht, die nötige finanzielle Absicherung zu erreichen. Und in Zeiten von Mini- oder Minuszinsen muss für ein gesetztes Vorsorgeziel sogar noch konsequenter gespart werden. Staatliche Programme wie die Riesterrente unterstützen die Sparer dabei. Und mit Investmentfonds stehen ihnen zudem ertragsstarke Alternativen zu Bankeinlagen zur Verfügung.

1 - Erschwerte Bedingungen Mini- und Minuszinsen

Von Bank zu Bank unterschiedliche Kontoverzinsung

Den meisten Bürgerinnen und Bürgern begegnen die extrem niedrigen Zinsen beim Blick auf ihren Kontoauszug. Fast jeder Deutsche besitzt ein Girokonto. Weit verbreitet sind aber auch Tagesgeldkonten, Sparkonten und Termingelder. Wie hoch der Zinssatz bei diesen Formen der Bankguthaben ist, ist von Bank zu Bank verschieden und auch von der Art der Einlage abhängig. Oft sind Zinsanpassungen an einen Referenzzins gekoppelt, wie etwa an den Dreimonatszinssatz EURIBOR.

Gut zu wissen

Die Werte für die Einlagenzinsen können den Preisaushängen oder den umfangreicheren Preis- und Leistungsverzeichnissen der Banken entnommen werden.

Zinsen sind abhängig von der europäischen Geldpolitik

Gestaltet wird die Höhe der Zinsen vor allem von der EZB, die die Geldpolitik für die 19 Länder des Euroraums festlegt. Eine Kernaufgabe der EZB ist es, für eine niedrige Inflationsrate zu sorgen. Um dies zu erreichen, beeinflusst sie die Menge an Geldmitteln, die den Banken und letztlich auch den Unternehmen und Bürgern zur Verfügung steht. Auf Dauer ist mehr Inflation nur möglich, wenn zu viel Liquidität in der Wirtschaft vorhanden ist. Der Zins ist der Preis des Geldes. Werden die Geldmittel mehr und mehr, sinken daher auch die Zinsen.

Keine Inflation trotz Minuszins

Seit mehreren Jahren sind die Zinsen extrem niedrig. Normalerweise führen günstige Finanzierungsbedingungen nach einiger Zeit zu mehr Investitionen der Privatpersonen und Unternehmen, beispielsweise in Wohnimmobilien oder Produktionsstätten. Die höheren Ausgaben für Güter und Dienstleistungen führen dann zu Erhöhungen der Preise. Doch der Preisanstieg ist seit mehreren Jahren trotz niedriger Zinsen verhalten. Die Verbraucherpreise, an denen die EZB den Erfolg ihrer Geldpolitik misst, steigen – bereinigt um besonders schwankungsanfällige Preise – im Vergleich zum Vorjahr nur um rund 1 Prozent. Das mittelfristige Ziel ist aber ein höherer Anstieg von knapp unter 2 Prozent. Aus diesem Grund hat die EZB ihre Bereitschaft erkennen lassen, die vom Negativzins geprägte Geldpolitik über einen langen Zeitraum beizubehalten, sollte es keine klaren Zeichen für einen aus ihrer Sicht ausreichenden Anstieg der Verbraucherpreise geben.

Banken müssen Strafzinsen zahlen

In den letzten Jahren haben die Banken ihre Kunden von der unmittelbaren Weitergabe dieser negativen Zinsbelastung so gut es ging verschont und ihnen mit Zinsen leicht über null Sonderkonditionen eingeräumt. Auf täglich fällige Einlagen, wie Girokonten oder Tagesgeldkonten, erhalten Sparer im Durchschnitt einen Zins von nahezu null. Es ist paradox: Zinssätze nahe null, über die sich viele Sparer ärgern, sind im Vergleich zu anderen Formen der sicheren und liquiden Geldanlage noch günstig. Wenn Banken bei der EZB überschüssige Gelder „parken“, müssen sie hierfür einen Negativzins, auch Strafzins genannt, zahlen. Dieser liegt seit September 2019 bei -0,5 Prozent. Das bedeutet: Hat eine Bank ein Guthaben bei der EZB von 100.000 Euro, etwa, weil sie über einen hohen Bestand an Kundengeldern verfügt, muss sie dafür jedes Jahr 500 Euro „Strafzinsen“ zahlen.

2 - Gewusst wie Umfassende Beratung

Die Flinte nicht ins Korn werfen

Das Umfeld von Mini- und Minuszinsen ist für Kreditnehmer günstig, für Sparer hingegen schwierig. Allerdings wären Anleger falsch beraten, wenn sie die Flinte ins Korn werfen und ihre Zukunftsvorsorge wegen der Mini- und Minuszinsen verringern oder sogar ganz darauf verzichten würden. Finanzielle Vorsorge ist aus vielen Gründen notwendig: für ungeplante Ausgaben, etwa, wenn ein neuer Pkw doch schneller als erwartet benötigt wird, im Falle längerer Krankheiten und nicht zuletzt als Baustein der Altersvorsorge.

Jetzt ist guter Rat gefragt

Bei der Vielzahl der möglichen Anlageprodukte ist es nicht einfach, die richtige Wahl für den eigenen Vermögensaufbau zu treffen. Guter Rat ist hier besonders wichtig. Mit der Genossenschaftlichen Beratung der Volksbanken und Raiffeisenbanken erhalten Sie professionelle Unterstützung. Im Mittelpunkt dabei stehen die Fragen, welche Ziele Sie als Sparer erreichen möchten, welche finanziellen Möglichkeiten Sie haben und was Ihnen bei einer Geldanlage besonders wichtig ist. So bedeutet mehr Rendite bei einer Geldanlage in der Regel auch ein höheres Risiko. Bei der Entscheidung spielt aber auch eine Rolle, wie lange Sie Geld anlegen möchten. Auf welchen Anteil Ihres Vermögens möchten Sie jederzeit kurzfristig zugreifen können, und welche Summe möchten Sie langfristiger und damit mit vergleichsweise höheren Erträgen anlegen? Gemeinsam mit Ihnen wird im Beratungsgespräch ermittelt, wie das optimale Verhältnis zwischen Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit für Sie aussieht und wie es sich mit passgenauen Anlagelösungen erreichen lässt.

Die vorhandene Absicherung wird oft überschätzt

Viele Sparer unterschätzen den Finanzbedarf im Alter. Eine wichtige Grundlage bietet für die meisten Bürger die gesetzliche Rentenversicherung. Die durchschnittliche Altersrente lag im Jahr 2018 bei rund 900 Euro. Die Rentenzahlung wird bei den meisten Rentenbeziehern noch durch andere Einkünfte ergänzt, oft sind Rentner auch Wohnungseigentümer und die Einkünfte eines Ehegatten oder Lebenspartners müssen zusätzlich berücksichtigt werden. Dennoch sind viele Bürgerinnen und Bürger überrascht über die engen finanziellen Grenzen ihres Alterseinkommens.

Die Lebenserwartung wird unterschätzt

Hinzu kommt, dass oft die eigene Lebenserwartung unterschätzt wird. Ist das 65. Lebensjahr bereits vollendet, liegt die Lebenserwartung nach Angaben des Statistischen Bundesamts für Männer bei 83 und für Frauen bei 86 Jahren. Das auf die hohe Kante gelegte Geld für das Alter muss also oft für einen beträchtlichen Zeitraum ausreichen.

Frühzeitig mit der Vorsorge beginnen

Einer der wichtigsten Grundsätze für die Altersvorsorge ist es, möglichst früh zu beginnen. Wird beispielsweise ein Vorsorge­betrag in Höhe von 50.000 Euro für das Alter von 65 Jahren angestrebt, so entspricht dies – unter Vernachlässigung von Zinsen – einem monatlichen Ansparbetrag von 278 Euro, wenn die Ansparphase im Alter von 50 Jahren beginnt, von 167 Euro bei einem Start mit 40 und von 119 Euro bei einem Start mit 30 Jahren.

Steigende Preise einplanen

Die Verbraucherpreise steigen derzeit nicht besonders stark, dafür aber recht stetig. Sollte der Preisanstieg sich weiterhin in der Größenordnung von aktuell rund 1 Prozent bewegen, ist die Kaufkraft jedes Euro in 30 Jahren um rund 35 Prozent geringer als heute. Entsprechend großzügiger muss die Vorsorge ausfallen. Sollte der Preisanstieg mit 2 Prozent etwas höher, aber immer noch moderat ausfallen, liegt der Kaufkraftverlust im gleichen Zeitraum schon bei 81 Prozent.

Gut zu wissen

Viele Sparer überschätzen die erzielbare Rendite ihrer Geldanlagen. So kommt eine repräsentative Umfrage zu dem Ergebnis, dass Sparer in der Altersgruppe von 16 bis 29 Jahren für ihre Anlagen eine Rendite von durchschnittlich 9,2 Prozent erwarten. Auch in der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren sind die Renditeerwartungen mit 7,2 Prozent nur wenig niedriger. Vorstellung und Wirklichkeit liegen meist weit auseinander, sparen doch die meisten überwiegend in sicheren, liquiden, aber niedrig verzinsten Bankeinlagen.

3 - Chancen erkennen Der Mix macht’s

Der Staat hilft beim Sparen

Wer für das Alter vorsorgen möchte, erhält vom Staat Unterstützung. Die wichtigste staatliche Förderung ist die Riester-Rente, eine Art der zusätzlichen kapitalgedeckten Altersvorsorge in Form einer Zusatzrente. Die Höhe der vom Staat bereitgestellten Zulagen richtet sich nach der Höhe der Eigenbeiträge. Wer einen Anlagebetrag (Eigenbeitrag plus staatliche Zulage) von insgesamt 4 Prozent seines maßgeblichen Vorjahreseinkommens (maximal 2.100 Euro) im Jahr anspart, erhält die maximale Zulage von 175 Euro im Jahr für jeden Förderberechtigten und 185 Euro für jedes kindergeldberechtigte Kind. Für ab 2008 geborene Kinder liegt die Zulage bei 300 Euro. Außerdem kann der Anlagebetrag im Rahmen der Einkommensteuererklärung als zusätzliche Sonderausgabe bis zu einer Höhe von 2.100 Euro pro Jahr steuermindernd geltend gemacht werden, wobei der Zulagenanspruch dem entstehenden Steuervorteil gegengerechnet wird. Gefördert wird der Vermögensaufbau vor allem in Fondssparplänen, Rentenversicherungen und Bausparverträgen, die durch die Zertifizierung die gesetzlichen Anforderungen nachweislich erfüllen.

Chancen von Investmentfonds nutzen

Eine gute Anlagealternative in Zeiten von Mini- und Minuszinsen sind für viele Sparer Investmentfonds. Sie können unterschiedlich zusammengesetzt sein. Es gibt Aktien-, Renten-, Misch- und Immobilienfonds. Besonders hohe Ertragschancen bieten Aktienfonds. Hierbei werden die Risiken bei langfristigen Anlagen oft überschätzt. Wer beispielsweise 20 Jahre lang die im Deutschen Aktienindex DAX enthaltenen Aktien gehalten hatte, erzielte eine durchschnittliche Rendite von 8,9 Prozent. Im ungünstigsten Fall lag sie bei 3,8 Prozent, im günstigsten Fall bei 15,2 Prozent. Bei Anlagedauern von über 15 Jahren haben Anleger, die in DAX-Aktien investiert haben, bislang noch nie einen Verlust verzeichnet. Die Anlage in Investmentfonds ist nicht nur etwas für große Anlagebeträge. Auch für Sparer, die regelmäßig kleinere Geldbeträge ab 25 Euro zurücklegen, bieten Fondssparpläne attraktive Ertragschancen.

Gemeinsam die richtige Mischung finden

Eine ausgewogene Mischung der Geldanlagen ist das A und O für den bestmöglichen Anlageerfolg. Das belegen auch immer wieder Studien. Für die Entscheidung, welcher Mix aus Anlageformen für die eigene Vermögensbildung sinnvoll ist, stehen Anlegern verschiedene Produkt- und Anlagekategorien wie Fonds, Anleihen, klassische Sparprodukte oder kapitalbildende Versicherungen zur Verfügung. Welche Vorsorgestrategie für Sie die richtige ist, hängt von Ihrer individuellen Situation, Ihren Möglichkeiten und Ihren Zielen ab. Vereinbaren Sie am besten ein Gespräch mit dem Berater Ihrer Volksbank oder Raiffeisenbank vor Ort. Die Genossenschaftliche Beratung bietet Ihnen eine maßgeschneiderte Strategie und einen persönlichen Finanzplan, der Ihnen hilft, Ihre finanziellen Ziele zu erreichen.